Deutschland & Welt

#Pflegestreik

Kurz vor dem Kollaps

vor 2 Jahren

Das Problem ist altbekannt. Immer mehr Menschen sind auf Pflege angewiesen, doch das Personal wächst nicht in gleichem Maß. In den sozialen Netzwerken entlädt sich der Unmut, der Hashtag #Pflegestreik ist in aller Munde. Von Veronica Zapp

Krankenhäuser sind längst nicht mehr nur Gesundheitseinrichtungen, sondern auch Wirtschaftsunternehmen, die gewinnorientiert arbeiten (müssen), das gilt ebenso für Pflegeeinrichtungen. Nach Berechnungen der Gewerkschaft Verdi fehlen an deutschen Krankenhäusern insgesamt 162.000 Stellen, 70.000 allein in der Pflege. Vor diesem Hintergrund fordert die Gewerkschaft ein neues Gesetz zur Personalbemessung in den Krankenhäusern. 

Auch für die PatientInnen bedeutet die Situation in den Krankenhäusern eine zunehmende Belastung - denn die Pfleger haben kaum noch Zeit für die Grundversorgung. Pflegekräfte berichten, dass sie (z.B. bei der Medikamentengabe) kaum noch die notwendige Sorgfalt aufbringen können. 

"Deutschland: wenn im Supermarkt an der Fleischtheke mehr Personal steht als pro Schicht Pflegekräfte auf einer Intensivstation #Pflegestreik" Tweet von @einFraeulein

Streik an Berliner Charité

Die Charité, Europas größte Uniklinik, ist hier keine Ausnahme. 600 Beschäftigte müssten in dem Berliner Klinikum zusätzlich eingestellt werden, um wenigstens ein Minimum an notwendiger Patientenversorgung und Beschäftigtengesundheit zu garantieren.

"Wenn man mit dem Kind in die Klinik muss+die Schwestern aufatmen,dass man als Unterstützung da bleibt+das eigene Kind pflegt. #Pflegestreik" Tweet von @freehippiegirl

Der Streik an der Berliner Charité für mehr Pflegepersonal wurde Anfang Juli nach mehr als einer Woche ausgesetzt. An den Streiks hatten sich mehrere Hundert Charité-Mitarbeiter beteiligt. Die Klinik und die Gewerkschaft Verdi haben sich auf ein Eckpunktepapier geeinigt. Auf dessen Basis soll ein Tarifvertrag entstehen.

Zu den Punkten gehört etwa, dass in der Intensivmedizin künftig eine Mindestzahl an Pflegepersonal präsent ist. Für alle anderen Stationen und im Nachtdienst sollen ebenfalls mehr Mitarbeiter zur Verfügung stehen.

Der Berliner Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) sieht im Streik zwar ein legitimes Mittel zur Durchsetzung der Interessen der Pflegekräfte - er sei aber nicht das erste Mittel der Wahl.

"Das Anliegen der Streikenden ist verständlich und auch im Sinne der Patienten. Mehr Personal auf den Stationen und am Krankenbett ist der richtige Weg zur Verbesserung der Pflege." Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU)



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