Bayern

Ende einer Vision

Lokalposse um Griechische Schule in München

vor 6 Monaten

Vor 16 Jahren überließ die Stadt München dem Staat Griechenland ein Baugrundstück: Das Ziel: Eine griechische Schule sollte dort entstehen. Jetzt modert dort eine Bauruine, die wahrscheinlich abgerissen wird. Gerhard Brack über eine Provinzposse.

Das Grundstück umfasst 15.000 Quadratmeter gleich bei der U-Bahn, nahe dem beliebten Münchner Michaeli-Bad. Zwei Stockwerke hoch fingern halbleere Stahlträger in den Himmel und rosten im Abendlicht.

Frustrierte Anwohner

Die Anwohner sind frustriert, sprechen von einem Schildbürgerstreich, können nicht fassen, was sich die Landeshauptstadt München da bieten lässt und nennen die Investruine vor ihrer Haustür die "Akropolis von Berg am Laim". Dabei wollte der griechische Staat eigentlich nicht nur eine Schule errichten, sondern auch gleich noch ein Begegnungszentrum schaffen, offen gerade auch für die Anwohner. Griechische Eltern wollten, dass ihre Kinder hier zusammen mit bayerischen Kindern demokratisch erzogen werden, kulturelle Werte kennenlernen.

Münchner Eigentum, aber kein Besitz

Rückblende: Im Jahr 2001 verkauft die Stadt München den Griechen das Grundstück zu einem Schnäppchenpreis, von dem Grundstückskäufer heute nur träumen. Griechenland will hier eine Schule für 700 Schüler errichten, 2006 soll sie fertig sein, heißt es zunächst. Doch dann verstreichen etliche Fristen.

Erst 13 Jahre nach dem Kauf, am 30. April 2014, erfolgt der lang erwartete Spatenstich. Inzwischen aber hat die Stadt München auf Rückgabe des Baugrunds geklagt. Rund eineinhalb Jahre später ein Gerichtsvergleich: Griechenland darf weiterbauen, verspricht aber: 2015 steht der Rohbau, am 30. Juni 2017 ist die Schule bezugsfertig. Doch das klamme Griechenland reißt beide Termine. Und noch etwas reißt: Der Geduldsfaden der Stadt. Die lässt sich nun wieder als Eigentümerin des Grundstücks im Grundbuch eintragen.

München will selber bauen

Die Stadt will dort ein Gebäude für ein eigenes Gymnasium errichten, denn die Bauruine lässt sich nicht in eine bayerische Schule ummodeln. Die Griechen haben den Bau nicht nach bayerischen, sondern nach ihren eigenen Vorgaben hochgezogen. Das heißt auch: Das Fundament ist erdbebensicher, die Baugrube gegen alle Erdstöße mit Beton ausgegossen. Schlecht für die Stadt München, denn die müsste vor erneuten Bauarbeiten erst einmal abreißen. Das käme teuer, warnt Rechtsanwalt Georgious Vlachopoulos, der in dieser Sache jahrelang erfolgreich für Griechenland verhandelt hat.

Prozess in Den Haag droht

Vlachopoulos schlägt ein anderes Modell vor: die Münchner sollen das Grundstück wieder zurückgeben und die Griechen doch bauen lassen. Immerhin sei der Rohbau der Schule schon zu 70 Prozent fertiggestellt. Nächstes Jahr wäre die Schule fertig, verspricht er:

Die Stadt München ist in der Zwickmühle. Denn es ist gar nicht sicher, dass sie die Bauruine überhaupt abreißen darf. Falls die Griechen dem Abriss nicht zustimmen, käme es zu einem Gerichtsverfahren vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag, droht Vlachopoulos. Und das kann dauern, gesteht auch die Stadt ein.

Quelle: Das Campusmagazin
14.05.2017 - 13:35 Uhr

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