Kultur

Premiere am Theater an der Rott

Barfuß die Welt verbessern: "Jeder rettet einen Afrikaner"

vor 3 Monaten

Idealisten sind anstrengend und sechs davon eine Zumutung, aber eine sehr witzige. Ingrid Lausund schrieb eine Erfolgskomödie über eitle Benefiz-Bürger. In Eggenfelden spielen Schauspielschüler - authentisch und cool. Nachtkritik von Peter Jungblut.

Satire für den guten Zweck - sehr böse, sehr unterhaltsam, etwas hilfreich und absolut zeitgemäß: Kein Wunder, dass Ingrid Lausunds rabenschwarze Komödie "Benefiz - jeder rettet einen Afrikaner" seit 2009 landauf, landab gespielt wird. Ein paar eitle und geltungsbedürftige Gutbürger engagieren sich für eine Schule im bitterarmen Guinea-Bissau und geraten bei der Vorbereitung eines Benefiz-Abends ordentlich aneinander. Aus diesem Stoff sind normalerweise französische Boulevard-Komödien gemacht. Umso besser, dass auch deutsche Autoren diese Art Gesellschaftssatire drauf haben.

Hier ist Theater am härtesten

Am Eggenfeldener Theater an der Rott inszenierte Vincent Kraupner das Erfolgsstück. Er ist im Hauptberuf Chef der privaten Neuen Münchener Schauspielschule und hat seine Schüler gleich mitgebracht in die niederbayerische Provinz, dorthin also, wo das Theaterleben am härtesten ist:

Also, dieser Publikumstest ist natürlich genau das, was sie brauchen. Weil sie, wenn sie ein Engagement bekommen, nicht unbedingt gleich am Bayerischen Staatsschauspiel anfangen, sondern in der Provinz mit genau solcher Situation konfrontiert sind, und das sollen sie lernen. Und es ist mir auch sehr wichtig, und deshalb machen wir am dem 2. Jahrgang auch solche Projekte und gehen raus damit. Und das ist natürlich eine besondere Zusammenarbeit, eine besondere Möglichkeit für die Schüler, sich auszuprobieren. Das kann man ihnen an keiner Schule beibringen. - Vincent Kraupner

Weltverbesserer gesucht

Junge, begeisterungsfähige Leute, die sich für Afrika engagieren, das wirkt jederzeit authentisch, und deshalb geht die Nachwuchs-Besetzung in diesem Fall absolut in Ordnung. Das Stück passt zu Debütanten, gerade ihre halb lässige, halb pathetische, mitunter unsichere Art und Weise zu spielen, macht den Abend glaubwürdig, erinnert an ein Treffen der katholischen Landjugend oder des Grünen-Ortsvereins. Überall dort, wo Weltverbesserung, Bibelstunde und Barfuß-Tanz gefragt sind, sind junge Leute jedenfalls ideal besetzt mit ihrer Begeisterungsfähigkeit, ihrem Idealismus, ihrer Zuversicht. "Jeder rettet einen Afrikaner", das ist halb grelle Persiflage, halb Gruppentherapie.

Darum geht es ja im Stück. Diese ganzen zwischenmenschlichen Eitelkeiten, Egoismen und so weiter, das nährt es einfach ziemlich! Und wenn man sich länger kennt, kann man aus dem anderen im Spiel noch mehr herauskitzeln. - Vincent Kraupner

Am Ausgang stehen Spendenbüchsen

Es macht Riesenspaß, diesen noch wenig erfahrenen, aber hingebungsvollen Schauspielern zuzusehen: Gabriel Wonn gibt staunenswert cool den nölig-lässigen Leo im Cannabis-T-Shirt, Manuel Feneberg ist ein herrlich verklemmter Eckhard voller sprudelnder Nächstenliebe, Eva-Maria Spiegelhauer eine sehenswerte kapriziöse Diva, die mit sofortiger Abreise droht. Auch Anita Eichhorn, Sarah Giebel und Alena von Aufschnaiter als schwer hysterisches Frauen-Trio mit und ohne Gitarre waren allesamt hinterhältig-gute Komödiantinnen. Klar, bei dem Thema Hunger und Not in Afrika fällt das Lachen schwer, ist in diesem Fall aber letztlich befreiend, und zwar deshalb, weil am Ausgang echte Spendenbüchsen bereit stehen. Die Botschaft ist klar: 51 Prozent Überzeugung reichen schon, um Gutes zu tun - Fanatiker werden weder hier, noch anderswo nicht gebraucht.

Wieder am 21., 27. und 28. Mai.

Quelle: B5 Kultur
20.05.2017 - 12:23 Uhr

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